Unsere Stimme

In der neuen Folge des Biofleisch-Podcasts – Wo Haltung für Geschmack sorgt spricht unsere Obfrau Elisabeth Krainz-Blum über ihre persönliche Bio-Reise, die Geschichte von Mein Müli in Linz und die große Frage, warum der Biofachhandel unverzichtbar bleibt.

„Meine Geschichte ist ein bisschen eine skurrile“, erzählt sie. Eigentlich Soziologin und Journalistin, stolperte sie zufällig in ein Inserat beim Bio-Verband Erde & Saat. „Als Stadtkind plötzlich mit Biobäuerinnen in Kontakt zu kommen, war richtig bewusstseinserweiternd.“

2009 übernahm sie das älteste Biogeschäft Linz’ aus der Konkursmasse – und führt es seither weiter: „Ich habe das Team übernommen, das schon dort war, und jetzt sind es 16 Jahre später. Das war wirklich ein Game-Changer in meinem Leben.“

Mehr als nur ein Geschäft
Mein Müli ist für viele Kundinnen längst mehr als ein Ort zum Einkaufen. „Wir sind Kummerkasten, Berater, manchmal auch Unterhalter“, sagt Krainz-Blum lachend. „Wir kennen unendlich viele Kundinnen beim Namen, bei uns wird auch ausgekocht, wir liefern nachhaltig, wir nehmen Eierkartons zurück und füllen sie neu, wir arbeiten mit gebrauchten Sackerl.“

„Ein Einkauf im Bioladen ist nie nur ein Produkt – es ist ein Gesamtkunstwerk. Da geht es um Beratung, um Geschichten und darum, die Menschen dort abzuholen, wo sie gerade stehen.“

Das besondere Miteinander prägt den Laden seit Jahrzehnten: Kinder, die einst mit dem Kinderwagen durch die Regale geschoben wurden, kommen heute selbst mit ihren Kindern vorbei.

Warum Fachhandel unverzichtbar bleibt
Auch wenn Bio längst im Supermarkt steht, ist der Fachhandel für Krainz-Blum nicht ersetzbar: „Bio ist nicht gleich Bio. Wir wollen nicht nur ein Produkt, wir wollen das Gesamtpaket: wissen, wo es herkommt, wie es produziert wurde, ob es ethisch korrekt und nachhaltig ist.“

Im Fachhandel gehe es um Vertrauen, um Fachwissen – und darum, dass Konsument*innen echte Wahlmöglichkeiten haben.

Krise als Chance
Natürlich spricht sie auch die Realität offen an: „Die Kostensteigerungen der letzten Jahre sind brutal. Aber wir haben gelernt, unser kaufmännisches Handwerk wieder ernster zu nehmen. Aus jeder Krise kann man etwas lernen.“
Problematisch sei, dass fast die Hälfte des Fleisches im Aktionsbereich verkauft werde. „Das tut uns weh – und entwertet Lebensmittel.“

Vernetzung als Stärke
Als Obfrau des Forums Biofachhandel treibt sie der Gedanke an, die oft kleinen und eigenständigen Läden besser zu vernetzen: „Der Bio-Fachhandel war lange eine bunte Mischung aus sehr eigenständigen Betrieben. Mit dem Forum Biofachhandel wachsen wir nun stärker zusammen und lernen voneinander – das ist eine coole Entwicklung.“

Vision für die Zukunft
Für sie ist klar: „Bio kann die Welt ernähren. Es sollte normal sein, nicht hip oder elitär. Und wenn wir über Regionalität reden, dann muss es bioregional sein – sonst ist es nur ein Werbeschmäh.“

Links, Studien und Quellen

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