©Mauracher Hof

Unsere Stimme

2025 war für den Mauracher Hof ein Jahr des Übergangs. Es galt nicht nur mehrere Jubiläen zu feiern, auch die Geschäftsführung wurde neu aufgestellt. Im Gespräch erzählt Juliane Eder, wie sie Verantwortung im Familienbetrieb versteht, warum Handwerk beim Korn beginnt – und weshalb der Bio-Fachhandel für sie mehr ist als ein Vertriebskanal.

Forum Biofachhandel: 2025 war für den Mauracher Hof ein besonderes Jahr – mehrere Jubiläen und zugleich der Generationenwechsel. Wie hast du diese Zeit
erlebt?

Juliane Eder: 2025 war ein Jahr voller Veränderungen. Einerseits das Jubiläumsjahr – 400 Jahre Mauracher Hof, 45 Jahre biologische Landwirtschaft und 25 Jahre Biohof Bäckerei Mauracher. Da sind viele Meilensteine zusammengekommen. Gleichzeitig war es das Jahr der Übergabe in der Geschäftsführung. Das war intensiv, aber auch sehr stimmig.

Unsere Eltern waren echte Pioniere in der biologischen Landwirtschaft. Der Hof ist bis heute ein lebendiger bäuerlicher Betrieb mit rund 90 Milchkühen, Ackerbau, Wiesen und Wald. Wir sind fünf Geschwister, vier davon arbeiten heute im Betrieb – von Qualitätsmanagement über Controlling und IT bis Vertrieb. Dieses Miteinander trägt sehr viel.

Forum Biofachhandel: Die Übergabe verlief nicht ganz klassisch, sondern sehr dynamisch. Wie bist du heute in deiner Rolle angekommen?

Juliane Eder: Mein Bruder Andreas und ich sind ursprünglich gemeinsam in die Geschäftsführung gestartet. Relativ bald wurde aber klar, dass seine Leidenschaft eindeutig im Vertrieb liegt. Und das ist etwas, das man ernst nehmen muss. Entscheidungen nachzuschärfen, wenn man merkt, dass es so stimmiger ist, braucht Mut – aber es zahlt sich aus.

Was mich besonders freut: In diesem Prozess ist nichts zerbrochen, im Gegenteil. Wir sind sehr offen und ehrlich miteinander umgegangen, in der Familie und im Team. Man darf auch sagen, wenn man etwas noch nicht weiß oder wenn Dinge fordern. Diese Offenheit schafft Vertrauen.

Forum Biofachhandel: Du bist am Hof aufgewachsen, hast aber bewusst auch außerhalb Erfahrungen gesammelt. Warum?

Juliane Eder: Der Mauracher Hof war mir immer sehr nah. Gleichzeitig habe ich früh gespürt, dass man sich weiterentwickeln muss, wenn man nicht immer im selben Umfeld bleibt. Ich wollte sehen, wie andere Strukturen funktionieren – kleine wie große. Ich habe Gastronomie gelernt, im Handel gearbeitet, später Marketing und Management studiert, war bei Nespresso, bei Audi, habe nebenbei ein eigenes Bio-Nichtraucher-Café geführt, Veranstaltungen und Eventlocations aufgebaut. Irgendwann kam alles zusammen. Und dann war der Zeitpunkt richtig, wieder ganz heimzukommen.

Forum Biofachhandel: Was reizt dich am Unternehmertum heute am meisten?

Juliane Eder: Mich motiviert das Gestalten. Andere spielen Golf oder Tennis, ich denke gerne über Unternehmen nach. Über Weiterentwicklung, über Strukturen, über Zukunft. Das macht mir wirklich Spaß.

Und wir haben ein großartiges Team, von der Landwirtschaft über die Backstube bis zur Verwaltung. Es ziehen alle an einem Strang, mit viel Wertschätzung. Dieses Miteinander ist keine Selbstverständlichkeit.

Forum Biofachhandel: Handwerk und Wissen spielen bei euch eine zentrale Rolle. Was kennzeichnet eure Bäckerei fachlich besonders?

Juliane Eder: Wir machen Dinge, die heute nicht mehr selbstverständlich sind. Das beginnt beim Getreide. Wir arbeiten mit alten Sorten, trocknen und reinigen direkt am Hof – unter 38 Grad, damit der Keimling am Leben bleibt. Jedes Getreide bringt je nach Region andere Backeigenschaften mit, und dieses Wissen fließt in unser tägliches Tun ein.

Dann kommt das Getreide in unsere Mühle. Wir mahlen das ganze Korn, also das Vollkorngetreide, direkt in die Teigschüssel. Das hat mehrere Vorteile. Vor allem bleiben die licht- und sauerstoffempfindlichen Inhaltsstoffe bestmöglich erhalten, weil das Mehl nicht zwischengelagert wird.
Für uns ist das ein ganz wesentlicher Punkt. Ein Getreidekorn ist lebendig, es hat einen Keimling – und genau dieses Leben soll im Brot bleiben. Deshalb arbeiten wir ohne Zusätze oder Stabilisatoren. Das Ergebnis entsteht nicht durch Hilfsmittel, son-dern durch Wissen, Erfahrung und den Umgang mit dem Rohstoff.

Forum Biofachhandel: Was bedeutet Bio für dich persönlich – jenseits von Zertifikaten?

Juliane Eder: Ich bin mit Haut und Haar davon überzeugt, dass dieser Weg sinnvoll ist. Es ist eine Würde und gleichzeitig eine Bürde, das weiterzuführen, was unsere Eltern aufgebaut haben. Dafür empfinde ich großen Respekt und viel Dankbarkeit.
Bio bedeutet für mich, Menschen eine echte Alternative zu bieten. Viele können Brot heute nicht mehr essen, weil es mit Brot kaum noch etwas zu tun hat. Wir wollen zeigen, dass es auch anders geht.

Forum Biofachhandel: Ihr seid stark im Bio-Fachhandel verwurzelt. Wo siehst du aktuell die größten Herausforderungen?

Juliane Eder: Der Markt hat sich stark verändert. Gerade im Bio-Fachhandel gab es viele Schließungen, Übergaben sind gescheitert, Generationenfragen sind ungelöst. Darauf muss man reagieren, auch vertrieblich. Gleichzeitig sehen wir Potenzial in neuen Wegen: im Ausbau der gehobenen Gastronomie und im Online-Direktvertrieb. Unser B2C-Onlineshop wird gerade neu aufgebaut, damit wir österreichweit erreichbar sind – ergänzend zum Fachhandel, nicht als Ersatz.

Forum Biofachhandel: Was wünschst du dir konkret vom Bio-Fachhandel?

Juliane Eder: Mehr Sichtbarkeit der Marken. Viele Kundinnen und Kunden sagen uns, sie würden unsere Produkte gerne kaufen, wissen aber nicht, ob es sie im jeweiligen Geschäft gibt. Gerade bei erklärungsbedürftigen Produkten ist Sichtbarkeit wichtig.
Wir versuchen, den Handel aktiv zu unterstützen – mit Verkostungen, Schulungen, Außendienst, Datenanalysen. Ziel ist, gemeinsam bessere Entscheidungen zu treffen, etwa bei Sortiments- und Mengenplanung. Der Alltag im Fachhandel ist extrem fordernd, das wissen wir.

Forum Biofachhandel: Warum braucht der Bio-Fachhandel aus deiner Sicht weiterhin eine starke Stimme?

Juliane Eder: Weil Bio nicht gleich Bio ist. Zwischen EU-Bio-Standard und dem, was viele Fachhandelsbetriebe leben, liegen Welten. Der Fachhandel muss erklären, warum Qualität, Herkunft und Handwerk einen Unterschied machen und welchen Nutzen das für Kundinnen und Kunden hat.

Es geht nicht ums Belehren, sondern ums Einordnen. Um Orientierung. Und darum, echte Alternativen sichtbar zu machen.

Forum Biofachhandel: Zum Abschluss: Wo siehst du euren Beitrag in den nächsten Jahren?

Juliane Eder: Wir wollen den Bio-Fachhandel weiterhin aktiv unterstützen. Er ist unsere Herkunft und bleibt uns ein echtes Anliegen. Mit ehrlicher Zusammenarbeit, mit Austausch, mit Offenheit. Und wir wollen zeigen, dass Weiterentwicklung und Werte kein Widerspruch sind, sondern sich gegenseitig stärken.

Links, Studien und Quellen