Unsere Stimme

Beim Marktgeflüster zum Thema Gesundheit und Wohlbefinden brachte der Vorsorgemediziner Dr. Herbert Bronnenmayer eine Perspektive ein, die bewusst weiter ausholte. Seine zentrale Botschaft: Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit von Krankheit.

Er verwies dabei auf die WHO-Definition, die Gesundheit als körperliches, seelisches, soziales und ökologisches Wohlbefinden beschreibt. Damit wird klar: Gesundheit entsteht nicht nur in Ordinationen, sondern im Alltag. „Nicht krank sein ist nicht automatisch gesund.“

Volksgesundheit passiert im Alltag
Bemerkenswert war seine klare Wertschätzung für den Biofachhandel. Aus medizinischer Sicht sieht Bronnenmayer Biofachgeschäfte und Bauernläden als relevanten Beitrag zur Volksgesundheit. Nicht nur wegen der Lebensmittelqualität. Auch der Erhalt biobäuerlicher Strukturen, soziale Begegnungsräume und ökologische Zusammenhänge spielen für ihn eine Rolle.

Warum anders über Gesundheit sprechen
Auch die rechtliche Dimension sprach Bronnenmayer an. Nicht-Ärzt*innen dürfen keine Krankheitsbehandlung bewerben. Auch Krankheitsprävention ist kommunikativ sensibel, weil sie stark krankheitsbezogen argumentiert. Sein Vorschlag: stärker über Gesundheitsaufbau sprechen. Und dieser beginnt aus seiner Sicht nicht abstrakt, sondern sehr konkret im Alltag – vor allem über Ernährung.

Ernährung wirkt leise, aber langfristig
Ein roter Faden seines Inputs war die zeitliche Dimension von Ernährung. „Das ist eine langsame Sache, wie Ernährung im Körper wirkt.“ Viele Entwicklungen entstehen über Jahre. Gewohnheiten spielen dabei eine größere Rolle als einzelne Maßnahmen.

Grundlagen statt Ersatzlösungen
Kritisch äußerte sich Bronnenmayer zur zunehmenden Orientierung an Nahrungsergänzung und Einzelstoffen. Wenn Ernährungswissen verloren geht, wächst die Abhängigkeit von Ersatzlösungen. Er plädiert dafür, Grundlagen wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken.

Einfache Lebensmittel neu einordnen
An mehreren Stellen stellte er gängige Ernährungsnarrative infrage. Dazu gehört auch der Umgang mit Fett. Traditionelle Fette wie Butter pauschal abzuwerten, greife zu kurz. Gleichzeitig wies er auf stark verarbeitete Kohlenhydratquellen hin. Neben Haushaltszucker nannte er auch Weißmehlprodukte oder stark raffinierte Teigwaren.

Der Darm als Schlüsselorgan
Besonders eindrücklich war sein Bild vom Verdauungstrakt als eigenständigem System. Der Darm wirke weit über Verdauung hinaus. Gleichzeitig relativierte er den aktuellen Probiotika-Boom. Ohne passende Ernährungsbasis hätten viele Produkte nur begrenzte Wirkung. Faserstoffe und präbiotische Lebensmittel nannte er als Grundlage. In diesem Zusammenhang sprach er auch über fermentierte Klassiker wie Sauerkraut oder Kefir. „In einer Gabel rohem Sauerkraut sind mehr Bakterien als in einer ganzen Dose Probiotika.“

Orientierung über den bunten Teller
Sehr konkret wurde Bronnenmayer dort, wo er Ernährung über Farben erklärte. Statt abstrakter Nährstofflogik arbeitete er mit einem einfachen Prinzip: Farben stehen für unterschiedliche Wirkungen im Körper.

• Blau und violett – etwa Heidelbeeren, schwarze Johannisbeeren oder Auberginen – brachte er mit gesundem Altern, Gedächtnisleistung und antioxidativen Effekten in Verbindung.

• Grüne Lebensmittel wie Brokkoli, Blattgemüse oder Kiwi verknüpfte er mit Sehkraft, Knochenstärke und sekundären Pflanzenstoffen wie Lutein oder Indolen.

• Weiße Sorten wie Knoblauch, Zwiebeln oder Pilze nannte er im Zusammenhang mit Herzgesundheit und Cholesterinregulation.

• Gelb-orange Lebensmittel wie Karotten, Zitrusfrüchte oder Kürbis ordnete er vor allem Immunsystem, Augengesundheit und antioxidativer Wirkung zu.

• Rote Lebensmittel wie Beeren, Tomaten oder rote Rüben stehen aus seiner Sicht besonders für Herzgesundheit, Gedächtnisfunktion und gefäßschützende Pflanzenstoffe.

Seine einfache Regel: Je farbiger ein Teller, desto breiter meist das Spektrum an bioaktiven Substanzen.

Altes Wissen neu lesen
Mehrfach sprach er über althergebrachte Ernährung. Vieles davon sei nicht neu, sondern in Vergessenheit geraten. Er brachte sogar eine konkrete Idee ein: Formate, die Wissen aus früheren Generationen wieder sichtbar machen. Etwa gemeinsames Kochen oder generationenübergreifende Weitergabe von Erfahrungen.

Gesundheit hat auch eine Kostenperspektive
Zum Ende wurde der Blick breiter. Ernährung sei nicht nur eine individuelle Entscheidung, sondern auch eine gesellschaftliche. Wenn Qualität eingespart werde, entstünden Kosten oft später. Etwa im Gesundheitssystem oder durch langfristige Erkrankungen.

Was bleibt, ist weniger ein Ernährungskonzept als eine Perspektive. Gesundheit entsteht nicht punktuell, sondern im Alltag. Genau hier setzt auch der aktuelle ODG-Schwerpunkt des Forums Biofachhandel an, der Gesundheit und Wohlbefinden als zentrale Dimension von Bio stärker sichtbar macht.