
Unsere Stimme
Mit vielen Eindrücken ist Andrea Kastinger (links im Bild) von der BIOFACH 2026 aus Nürnberg zurückgekehrt. Die Geschäftsführerin vom BioBauernladen Kremstal und Vorstandsmitglied im Forum Biofachhandel hat gemeinsam mit ihrer Kollegin Vorträge, Gespräche und Trends genau beobachtet. Was bleibt: Bio wächst weiter, aber mit neuen Zielgruppen, neuen Argumenten und spürbarem Wandel im Markt.
Bio wächst: Der Fachhandel stabilisiert sich
Insgesamt wächst die Bio-Branche weiter. Gleichzeitig bleibt die Entwicklung im Biofachhandel moderat. „Der Biofachhandel hält aktuell eher sein Level“, so Andreas Summary von der Weltleitmesse.
Spürbar sei jedoch ein Generationenwechsel. „Eine neue Generation übernimmt nach und nach und bringt auch neue Formen der Zusammenarbeit mit.“ Kooperation werde zunehmend als stabilisierender Faktor gesehen – auch im Biofachhandel in Österreich.
Dynamik in ausgewählten Sortimenten
Marktdaten, etwa von Biovista, zeigen klare Wachstumsfelder. Besonders dynamisch entwickeln sich aktuell:
- fermentierte und frische Molkereiprodukte wie Skyr oder Kefir
- alkoholfreie Getränke und funktionale Drinks
- Kombucha und Nahrungsergänzungen
- sowie Schokolade und Kaffee (auch preisbedingt)
Hier werde sichtbar, wo Innovation derzeit besonders stark auf Nachfrage trifft.
Teamarbeit als Erfolgsfaktor im Bioladen
Ein praxisnaher Impuls kam aus einem Vortrag zur Teamarbeit im Biofachhandel. Die zentrale Botschaft: Teamdynamik schlägt Einzelqualifikation.
„Interaktion im Team ist wichtiger als die Qualifikationen der Einzelnen“, bringt Andrea einen Kerngedanken auf den Punkt. Entscheidend sei, Stärken und Schwächen im Team sichtbar zu machen und Aufgaben gezielt danach zu verteilen, damit jede*r seine Stärken einbringen kann.
Das „neue Bio“ braucht neue Argumente
In mehreren Panels wurde deutlich, dass sich auch die Kommunikation rund um Bio verändert. „Wir müssen stärker ökonomisch statt nur ökologisch argumentieren“, lautet ein zentrales Learning der BIOFACH 2026.
Ein wiederkehrendes Thema: die gesellschaftlichen Folgekosten konventioneller Lebensmittelproduktion. Diese würden heute von allen getragen, nur nicht an der Supermarktkasse. Die Internalisierung dieser Kosten gilt als wichtiger Hebel für die Zukunft der Bio-Branche.
Gleichzeitig wird klar: Moralische Appelle verlieren an Wirkung. Gefragt sind greifbare Mehrwerte und persönliche Zugänge. „Es geht stärker um die Frage: Was bringt mir das ganz konkret?“ Bio müsse wieder stärker emotional erlebbar werden – über Geschichten, Qualität und Momente, die im Alltag hängen bleiben.
Auch inhaltlich verschiebt sich der Fokus: weg vom „weniger schlecht“, hin zu regenerativen Ansätzen in Landwirtschaft und Ernährung.
Generation Z: Dialog statt Besserwissen
Ein Schwerpunkt der BIOFACH 2026 lag auf der Generation Z. Sie wird für den Biofachhandel zunehmend relevant: Bis 2030 werden rund 30 % der Erwerbstätigen dieser Generation angehören und das Konsumverhalten maßgeblich prägen.
Ihr Einfluss reicht bereits heute über die eigene Zielgruppe hinaus. Die Gen Z beeinflusst Ernährungsentscheidungen in Familien und zeigt ein überdurchschnittliches Interesse an Ernährung, Gesundheit und bewusster Lebensweise.
Ein klarer Appell aus den Diskussionen: „Bio ohne Besserwissen.“ Belehrende Kommunikation stoße bei dieser Zielgruppe schnell an Grenzen. Stattdessen brauche es Dialog auf Augenhöhe. Eine Idee aus den Panels: Gen-Z-Mentor*innen in Unternehmen einzubinden, um Perspektiven frühzeitig mitzudenken. „Das gefällt uns“, so Andrea.
Trends 2026: Farbe, Funktion und Fermentation
Auch bei Produktinnovationen zeichnen sich klare Linien ab. Zu den auffälligsten Trends der BIOFACH zählen:
- natürlich farbintensive, spielerische Produkte („colorful by nature“)
- neu interpretierte traditionelle Methoden wie Fermentation
- funktionale Mini-Formate für unterwegs („wellbeing in a bottle“)
- Darmgesundheit als weiterhin starkes Thema
Über viele Kategorien hinweg auffällig: ein hoher Proteinbezug sowie Matcha als wiederkehrende Zutat in neuen Produktentwicklungen.
Fazit: Klare Impulse für den Biofachhandel
Die BIOFACH 2026 zeigt eine Branche im Wandel: stabile Märkte, neue Argumentationslinien und eine junge Zielgruppe, die neue Erwartungen mitbringt.
Oder, wie Andrea es zusammenfasst: Sie sei „sehr motiviert und bereichert heimgefahren“ – mit vielen Ideen, die sich nun in der Praxis weitertragen lassen.