©Bio-Naturkost und Reformparadies

Unsere Stimme

Manchmal beginnt eine neue berufliche Richtung nicht mit einem Plan, sondern mit einer Frage. Bei Ursula war es der damalige Besitzer ihres Bioladens, der ihr eines Tages vorschlug, sein Geschäft zu übernehmen. „Mit der Idee bin ich dann heimgekommen zu meinem Mann“, erzählt sie. Die erste Reaktion war schnell da: „Es war eine halbe Stunde Diskussion, länger hat es nicht gedauert.“

Ganz so einfach war es dann natürlich nicht. Mit der Begeisterung kamen Fragen zu Finanzierung, Familie, Arbeitszeiten und Verantwortung. „Der erste Gedanke war leicht, aber das Folgende war schon schwieriger.“ Heute führen die beiden das „Bio-Naturkost und Reformparadies“ in Klagenfurt seit rund zehn Jahren gemeinsam: 50 Quadratmeter Verkaufsfläche, ein überschaubares Lager und ein Laden, in den Menschen gezielt kommen.

Von der Pädagogik in den Biofachhandel
Ursula kommt ursprünglich aus der Pädagogik. Sie studierte Erziehungswissenschaften und absolvierte Ausbildungen im Bereich Humanenergetik und Kindergesundheit mit ganzheitlichen Aspekten. Was zunächst wie ein anderer Weg wirkt, stellt heute eine gute Basis dar: „Alles, was vorher war, meine ganzen Ausbildungen, trägt mich im Laden auf alle Fälle.“

Bevor sie übernahm, arbeitete sie ein Jahr beim früheren Besitzer mit. Diese Zeit war entscheidend: „Das Leben hat mich in dem Jahr einfach unterrichtet.“ Sie konnte lernen, beobachten und spüren, ob der Kontakt zu den Kund*innen passt.

Klaus im Hintergrund und doch mittendrin
Während Ursula und eine Mitarbeiterin im Verkauf und in der Beratung präsent sind, hält Klaus im Hintergrund vieles zusammen. „Ich bin Hintergrund“, sagt er. Rechnungswesen, Buchhaltung, Warenübernahme, Einsortieren, Kassa, Kassaprogrammierung – vieles läuft über ihn. Aktiven Verkauf macht er nicht. „Ich bin schon da – wenn jemand reden will, nehme ich mir gerne Zeit. Aber ich mache keinen Verkauf.“

Bio lebt man oder man lebt es nicht
Bio war für Ursula und Klaus schon vor der Geschäftsübernahme Teil ihres Alltags. Das Bewusstsein sei gewachsen, sagen sie, und irgendwann habe es „geklickt“. Man beginnt nachzudenken: Was tut gut? Woher kommen Lebensmittel? Wer produziert sie?

Klaus beschreibt es so: „Bio ist kein Trend. Entweder man lebt es oder man lebt es nicht.“ Für ihn ist ein Bioladen mehr als ein Ort, an dem Produkte verkauft werden. „Ein Laden ist ja nicht nur Bio, das ist Lebensphilosophie.“

Ursula verbindet Bio stark mit Bauernnähe, kleinstrukturierten Betrieben und dem Wunsch, bewusster zu leben. Besonders mit der Geburt der Kinder habe sich vieles nochmals geschärft: „Da haben wir uns noch mehr Gedanken gemacht, was wir wie umsetzen im Leben, was uns gut tut, was einen in die Kraft bringt, was gesund macht.“

Klein geblieben – ganz bewusst
Das Bio-Naturkost und Reformparadies liegt in der Nähe des Klagenfurter Fußballstadions. Laufkundschaft gibt es kaum. Wer kommt, kommt gezielt. Der kleine Rahmen ist für beide kein Nachteil, sondern Teil der Qualität. Klaus sagt: „Wir sind so ein kleiner Nahversorger mit 50 Quadratmetern, der im Grunde genommen nicht viel weniger hat als ein Geschäft mit 500 Quadratmetern.“ Der Unterschied liege in der Auswahl. Nicht zwanzig Joghurts, sondern zwei gute. Nicht Masse, sondern Überblick. Viele Kund*innen schätzen genau das: „Da kannst du reinkommen, da ist kein Stress, keine Hektik.“ Für Klaus war gerade diese Überschaubarkeit ein Grund, sich auf den Laden einzulassen.

Beratung statt Verkauf
Was Ursula und Klaus besonders wichtig ist, zeigt sich im Kontakt mit den Menschen. Es geht nicht darum, etwas aufzudrängen. Im Gegenteil: „Wenn es nur rein um den Verkauf ginge, würde ich sagen: Das müssen Sie jetzt nehmen. Aber uns ist wichtiger, dass die Leute mit einem guten Gefühl und einem Lächeln rausgehen.“

Ursula sieht sich als Bindeglied zwischen Kund*innen und Produzent*innen. Wenn jemand wissen möchte, wie die Hühner der Eierbäuerin gefüttert werden, fragt sie nach. Wenn ein Bauer darum bittet, Pfandgläser sauber zurückzubringen, erklärt sie, warum das wichtig ist.

„Es reicht nicht nur, ein Bio-Ei zu kaufen. Die Leute wollen wissen, wie wir zu dem Ei kommen.“ Genau darin liegt für sie ein wesentlicher Teil des Fachhandels: erklären, einordnen, weitergeben. Ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit Haltung.

Ehrliche Preise, ehrlicher Umgang
Auch Klaus’ Zugang zur Preispolitik ist von Transparenz geprägt. Wenn Einkaufspreise sinken, sollen diese Reduktionen weitergegeben werden. „Wir versuchen immer, den Preis wieder herunterzusetzen.“ Das bedeute mehr Arbeit, werde von den Kund*innen aber bemerkt. Pseudo-Aktionen passen nicht zu ihnen. „Wir versuchen, so ehrlich wie möglich zu sein.“

Auch individuelle Produktwünsche gehören dazu. Wenn Kund*innen etwas suchen, recherchiert Ursula, ob sie es bekommen kann. „Die Beratung zu den individuellen Bedürfnissen hat bei uns Platz.“

Wenn das Miteinander mehr Aufmerksamkeit braucht
Das Team spürt, dass Gespräche anspruchsvoller geworden sind. Viele Menschen stehen unter Druck, Preise werden genauer hinterfragt, Erwartungen sind gestiegen. Im Geschäft zeigt sich das manchmal in mehr Ungeduld oder im Wunsch nach schnellen Lösungen. Ursula wünscht sich deshalb, dass man im Gespräch bleibt: „Dass wir alle ein bisschen wieder auf eine gemeinsame Ebene kommen, dass man miteinander reden kann.“ Für sie gehört dazu, Anliegen ernst zu nehmen, aber auch Grenzen sichtbar zu machen.

Mit einem guten Gefühl hinausgehen
Vielleicht ist genau das die Stärke dieses kleinen Ladens: dass das Miteinander nicht verloren gehen soll. Ursula und Klaus suchen nach Lösungen und wissen zugleich, dass ein kleiner Fachhandel nicht alles auffangen kann. Was für Ursula am Ende zählt, ist deshalb nicht der schnelle Verkauf, sondern die Beziehung, die über Jahre wächst.

Und so bleibt das Bio-Naturkost und Reformparadies ein Ort, an dem es auf 50 Quadratmetern erstaunlich viel Platz gibt: für gute Lebensmittel, für Fragen, für ehrliche Antworten und für das Gefühl, willkommen zu sein.

Links, Studien und Quellen